Geschichte

BEZIRKSVERBAND Kolpingstadt Kerpen (ehemals BERGHEIM SÜD)

JUNG- UND ALTSCHÜTZEN – GEMEINSAM STARK

Dokumentarisch erwähnt und festgehalten in einem Protokollbuch wird der ursprüngliche Bezirk Bergheim-Süd erstmalig in einer Niederschrift vom 27.11.1951 anlässlich einer Delegiertentagung in der Gaststätte Ernst zu Kerpen.

Das Jahr 1951 wurde deshalb als Gründungsjahr angenommen – obwohl die Eintragung im Protokollbuch – „Ehrenbrudermeister Stump (Horrem) dankte seinem Nachfolger Bundesmeister Veithen für die Übernahme des Amtes“ darauf schließen ließ, dass die Gründung schon früher stattfand.

Nach einigen Recherchen stellte sich heraus, dass der Bezirk Bergheim-Süd aus dem ehemaligen Kreisverband Bergheim/Erft hervorgegangen ist. Der Kreisverband Bergheim/Erft wurde 1933, 5 Jahre nach der Gründung der „Erzbruderschaft vom Hl. Sebastianus“ ins Leben gerufen. Als Quellenangabe dient hierzu die Zeitung „DER SCHÜTZENBRUDER“, deren Begründer der ehemalige Generalpräses Pfr. Dr. Peter Louis war.

Einer der ersten Bundesmeister des Kreisverbandes Bergheim/Erft war, bis zum Verbot und Aufhebung der Erzbruderschaft durch die Nationalsozialisten im Jahre 1936, der Ober-Bahnhofsvorsteher Hubert Crampen aus Elsdorf.

Am 19. September 1946 trafen sich die Vertreter der Kreise Bergheim/Erft und Grevenbroich in Nettesheim zu einer „eindrucksvollen Delegiertentagung“.

Bundesmeister des Kreisverbands Bergheim/Erft war zu dieser Zeit der Schützenbruder Bernhard Stump aus Horrem.

Am 06. Januar 1948 wurde in einer Versammlung des damaligen Kreisverbands Bergheim/Erft angeregt, den Verband in zwei Bezirke aufzuteilen.

In einer kurzen Mitteilung im 9. Rundbrief vom Mai 1948 ist folgendes dokumentiert: „Die Delegiertenversammlung des Kreises Bergheim/Erft beschloss am 29. April, den Kreis in zwei selbstständige Bezirke zu teilen. Den Bezirk Bergheim-Süd führt Bundesmeister Bernhard Stump, den Bezirk Bergheim-Nord Bundesmeister Heinz Esser“.

Am 27. April 1951 wurden erstmals neben dem Bundesmeister noch weitere Vorstandsmitglieder gewählt. Der erste Bezirksvorstand setzte sich danach wie folgt zusammen:

Bundesmeister: Ferdinand Veithen St. Hub. Schützengilde Kerpen

Präses: Klauke Rektor zu Kerpen

Schriftführer: Peter Otten St. Seb. Kerpen

Schießmeister: Leo Klein St. Seb. Buir

Das erste im Protokollbuch erwähnte „Bundesfest“ des Bezirks Bergheim-Süd wurde Pfingsten 1952 zusammen mit dem 110-jährigen Jubelfest der St. Hubertus Schützengilde Kerpen gefeiert. Dieses Bezirks- und Jubelfest wurde laut „SCHÜTZENBRUDER“ zu einem – eindrucksvollen Ereignis -, das mit seinen großartigen Feierlichkeiten religiöser und weltlicher Art die kleine Kolpingstadt Kerpen ins Blickfeld der großen Öffentlichkeit stellte.

Aus Anlass des Bezirks-Bundesfestes überreichten die Kreisverwaltung Bergheim und die Stadtverwaltung Kerpen dem Bezirk eine Bundesmeisterkette, die vom amtierenden Bundesmeister getragen wurde.

Nach der Sportwaffenamnestie im Dezember 1951 begann auch das Sportschießen im Bezirk Bergheim-Süd. Als eine der ersten Bruderschaften trugen die Hubertus Schützen aus Brüggen im Februar 1952 einen Freundschaftskampf gegen Hubertus Kierdorf aus. Die Brüggener gewannen diesen Wettkampf ebenso wie auch den Rückkampf, der einen Monat später in Kierdorf ausgetragen wurde.

Jean Kraus von St. Seb. Buir wurde in Neuss zum „Bundeskönig 1955“ proklamiert, ein Flop wie sich später herausstellte. Laut Auswertung schoss Kraus 29 Ringe und Heinz Bauer aus Bonn 27 Ringe. Als die Schießstände schon abgebaut wurden, annullierte die Schießkommission ihre eigene Entscheidung mit dem Ergebnis, dass beide Schützen 27 Ringe erzielt hatten. Das dadurch notwendige Stechen entschied der Bonner Heinz Bauer zu seinen Gunsten und wurde neuer Bundeskönig. Als Trost, so sahen es die Schützen des Bezirks Bergheim-Süd, wurde Jean Kraus zum „Spitzenkönig des Erzbistum Köln“ ausgerufen.

Im Jahre 1958 ernannte Kardinal Frings den Horremer Pfarrer Dechant Heinrich Buff. Als Bezirkspräses wurde Heinrich Buff durch sein herzliches Wesen und die ganz auf die Schützensache eingestellte Art hoch geachtet. In seiner 25-jährigen Amtszeit als Bezirkspräses war er der „Schützenbruder“ schlechthin, eine Leitfigur im Bezirk Bergheim-Süd.

1960 wurde der Brüggener Barthel Schmitz Bezirksschießmeister. Unter seiner Regie erlebte das Sportschießen seinen großen Aufschwung. Durch die Einführung der Bruderschaftsvergleichskämpfe und der Austragung der ersten Bezirksmeisterschaften trug er sehr viel zur Verständigung und dem Umgang zwischen den Bruderschaften des Bezirks bei.

Bundesmeister Rohe legte 1961 sein Amt wegen persönlicher Differenzen mit seinem Ortspfarrer nieder. Mit der Wahl von Wilhelm Frinken aus Manheim zu seinem Nachfolger hatte man einen Bundesmeister gefunden, der nicht nur die Arbeit von Balthasar Rohe fortsetzte, sondern sich in den folgenden Jahren noch intensiver der Verbandsarbeit widmete. Er war duch seine ehrliche und offene Art der „Bundesmeister“, dem alle Schützen und Bruderschaften vertrauten. In seiner Amtszeit blühte der Bezirk auf.

Barthel Schmitz legte im April 1970 nach 10 Jahren intensiver Aufbauarbeit sein Amt nieder. Nachfolger wurde Bernhard Liebler, St. Seb. Balkhausen, der wiederum 1972 von Hans-Oswald Vogel, Quir. Mödrath, abgelöst wurde. In dessen 20-jähriger Amtszeit hat sich der Schießsport weiter entwickelt.

Arnold J. Koberg und Hans-Oswald Vogel stifteten dem Bezirk 1975 eine Königskette. Diese von Arnold J. Koberg geschaffene Kette wurde Hans-Oswald Vogel im gleichen Jahr als ersten Bezirkskönig überreicht und seit dieser Zeit immer bis 2010 vom amtierenden Bezirkskönig getragen. 2010 wurde eine neue Kette angeschafft. Im Jahre 2015 gab es mit Ferdi Bläser den ersten Bezirks Kaiser.

Plötzlich und unerwartet verstarb am 13. Juli 1980 Bundesmeister Wilhelm Frinken. Ein herber Verlust für seine Familie und für den Bezirk. Von den Schützen geliebt und anerkannt hat er in seiner 19-jährigen Amtszeit dem Bezirk seinen Stempel aufgedrückt.

„Wilhelm Frinken hat sich durch seine Schaffenskraft selber ein Denkmal im Herzen aller Schützen geschaffen. Eine Erinnerung die unvergessen bleiben wird“. 

Diese Worte, die Meinung aller Schützen, sprach sein Nachfolger Arnold Johannes Koberg bei seiner Wahl zum Bundesmeister am 19. November 1980 aus.

Am 15. Januar 1983 trat der allseits beliebte Dechant Heinrich Buff in den Ruhestand. Nach fast 25 Jahren legte er gleichzeitig sein Amt als Bezirkspräses nieder. Zu seinem Nachfolger ernannte Kardinal Höffner im Frühjahr 1984 den Sindorfer Pfarrer Reinhold Steinröder, heute Diözesan Präses der Diözese Köln. Ihm folgten Diakon Philipp Börsch und Pfarrer Michael König als Bezirkspräses.

Arnold Johannes Koberg, zwischenzeitlich zum Brudermeister seiner Hemmersbacher Bruderschaft gewählt, trat am 24. März 1992, nach 12 Jahren, von seinem Amt als Bundesmeister zurück. Ebenso stellte Hans-Oswald Vogel nach 20 Jahren sein Amt als Bezirksschießmeister zur Verfügung. Hans-Oswald Vogel wurde von den Delegierten zum Bundesmeister gewählt.

Bezirksschießmeister wurde als sein Nachfolger 1995 Hans Willi Lohnert.Ihm folgten Jörg Abel,Jörg Milerke und Hans Frank

Plötzlich und unerwartet verstarb im Mai 2004 Hans-Oswald Vogel nach 32-jähriger Amtszeit als Schießmeister und Bundesmeister. Nachfolger wurde Reinhard de Vries. Im Jahr 2015 trat er nicht mehr zu Wahl an und Olaf Winkler wurde der neue Bezirksbundesmeister. Ebenfalls 2015 gab Michael König als Bezirkspräses sein Funktion zurück. Nach lager Suche konnte Diakon Philipp Börsch als neuer Bezirkspräses gewonnen werden.

Im Jahr 2018 wurde in der Frühjahrs – Delegiertenversammlung der Antrag zur Umbenennung des Bezirksverband Bergheim-Süd in Bezirksverband Kolpingstadt Kerpen gestellt und mit knapper Mehrheit angenommen. Die Schützenbruderschaft aus Ichendorf und Heppendorf stellten daraufhin im Jahr 2019 den Antrag in den Bezirksverband Bergheim-Nord zu wechseln, der vom Präsidium der Bund der historischen deutschen Schützenbruderschaften genehmigt wurde. Mit der Umbenennung wurde eine neue Standarte und neue Majestätenketten, sowie eine neue Bundesmeisterkette durch Sponsorengelder angeschafft.
Die im Jahr 2019 ausgeschossenen Bezirksmajestäten hatten, durch die Corona-Pandemie, die längste Amtszeit der Geschichte.

In einem Streifzug durch die Geschichte alles wiederzugeben ist kaum möglich. Neben dem Bezirksschützenfest, dem Bezirksprinzen- und Königsschießen sowie den Schießsportveranstaltungen sind besonders hervorzuheben: Die Diözesanjungschützentage 1983 und 1996, 1998 der Bundesjungschützentag und 2009 der Bundesköniginnentag in der Kolpingstadt Kerpen. Im August 1994 die Ausstellung des Schützensilbers der Bruderschaften im Rathaus der Stadt Kerpen, sowie im Juli 1995 die Herausgabe des Buches „Schützen-Schätze“, das in seinem Inhalt einen Ein- und Überblick in die Geschichte der Bruderschaften des Bezirks Bergheim-Süd gibt.

Ganz besonders erwähnenswert aber ist die Aktion „SCHÜTZEN HELFEN“, die 1983 vom Bezirksjungschützenmeister Axel Vogel ins Leben gerufen wurde und bis heute Bestand hat. Unter Einbringung von Politik und Wirtschaft und deren Bereitschaft zum Spenden konnten bisher 70.000,– Euro zur Unterstützung an caritative Verbände, Vereine und bedürftige Einzelpersonen weitergegeben werden. 

Ein Grund sich mit Stolz an die Vergangenheit zu erinnern, aber auch Ansporn sich allem Neuen zu stellen und dabei die Ideale „Glaube, Sitte und Heimat“ zuwahren und auch zu leben.